Eine evolutionäre Erfolgsgeschichte
Der Wolf - Die Evolution eines perfekten Karnivoren
Der rezente Haushund stammt vom Wolf ab. Steigt man nun in die Systematik der Tiere in das Reich der Animalia (Vielzellige Tiere) ein, so trifft man dort auf die Ordnung der Carnivora, sprich, die Ordnung der Raubtiere. Hangelt man sich nun weiter nach unten, trifft man bei den Canini (Tribus echte Hunde) schon sehr bald auf die Art Canis lupus, den Wolf, Urvater unserer Haushunde.
Bei Canis lupus familiaris, unserem Haushund, handelt es sich somit um die domestizierte Unterart des Wolfs. Zum besseren Verständnis, hier der entsprechende Auszug aus der Systematik der Tiere:
Zur Erläuterung ein kleiner Ausflug durch die binäre Nomenklatur, dem international anerkannten System zur Benennung der Arten. Wie aus der Abbildung ersichtlich ist, folgt die Beschreibungen von Gliederungen oder Verwandtschaftsverhältnissen innerhalb der Systematik der Organismen dem hierbei gültigen Prinzip der binominalen bzw. der binären Nomenklatur (lat. binarius = zwei enthaltend, nomenclatura = Namensverzeichnis).
In dieser Nomenklatur setzt sich der Artname aus zwei Wörtern zusammen. Hierbei bezeichnet das erste Wort, welches immer mit großem Anfangsbuchstaben geschrieben wird, die Gattung, zu welcher der Organismus gehört. Das zweite kleingeschriebene Wort bezeichnet den Artnamen der Zugehörigkeit. Die höheren taxonomischen Kategorien werden nur mit einem Wort benannt. Ungeachtet der Klassifizierungskategorie, angefangen bei der Domäne bis „hinunter“ zur Unterart, so ist unbestritten, dass es sich bei Art bzw. Unterart um die einzigen real existierende Ebene handelt. Die jeweiligen Autoren (Namensgeber) habe ich der Vollständigkeit halber den Kategorien angefügt.
Nach diesem kurzen Ausflug in die moderne biologische Systematik nun zum Protagonisten unserer Internetpräsenz, dem rezenten Haushund Canis lupus familiaris. Den meisten Hundehaltern dürfte dieser Name nicht unbekannt sein. Nun wird offensichtlich, dass er nicht willkürlich entstanden ist, sondern auf strikten Beschreibungen (u.a. unverwechselbare morphologische bzw. physiologische Merkmale zur Abgrenzung gegenüber allen anderen Gruppen) basiert.
[Gattung] - Canis [Art] - lupus [Unterart] - familiaris. Durch Benennung der Unterart (somit 3 Nomina) handelt es sich hier um eine anerkannte Variation der Namensgebung in der Systematik
Unser Hund der „Familien-Wolf“. Wer ihn annähernd verstehen will, sollte auch seine Evolution kennen. Als begeisterter Hobbypaläontologe (Trilobiten) habe ich mich nun diesbezüglich auf einen kleinen Streifzug durch die Evolution dieses faszinierenden Wesens Hund bzw. seinem Urahnen, dem Gevatter Wolf begeben. Eine Evolution, deren Mechanismen bereits gegen Ende des Erdmittelalters damit begannen, einen kleinen Säuger entsprechend zu „formen“.
Die Evolution von den Miacidae zum Canis lupus familiaris
Die folgenden Zeitangaben der Evolution folgen der chronostratigraphischen Gliederung des Känozoikums.
Quelle Erdkarte: © C. R. Scotese
Das Mesozoikum oder „der Zeitabschnitt des mittleren Lebens“ endet in einer ökologischen Katastrophe. Gegen Ende der Kreidezeit kommt es zum Massensterben, dem ca. 90% der marinen- und ca. 56% aller landlebenden Arten der Fauna zum Opfer fallen. Die Dinosaurier sterben vollständig aus. Die Arten der Flora werden um ca. 10% der höheren Pflanzen dezimiert. Neben den vulkanischen Aktivitäten lässt sich ein massiver Meteoriteneinschlag (K/T - Ereignis) in der Halbinsel Yukatan (Mexiko) nachweisen, welcher eine weitere massive Schädigung des bereits schwer angeschlagenen Ökosystems hervorruft.
Die ältesten bekannten Säugetiere stammen aus der
Obertrias (vor ca. 228,6-199,6 Mio. Jahren). Im
Mesozoikum waren nur wenige Säugetiere größer als eine Hauskatze. Die meisten waren allerdings nicht größer als eine Ratte. Viele Ordnungen der modernen Säugetiere vollziehen den Übergang von der
Kreide in das Paläogen.
Die Urahnen unseres Familien-Wolfs finden sich wahrscheinlich in den Vertretern der Familie der Miacidae (Cope, 1880). Bei den Vertretern der Miacidae handelte es sich um marderähnliche Landraubtiere, etwa 30 cm lang, welche
gegen Ende des Paleozäns (Übergang ins Eozän vor ca. 55,8 Mio. Jahren) in den Nordamerikanischen- sowie den Europäischen Wäldern lebten. Sie besaßen an jedem Fuß fünf Krallen und ihr Gebiss hatte 44 Zähne. Sie wirkten hundeartig und ernährten sich vorwiegend von Fleisch (Kleinere Reptilien, Säugetiere oder Vögel). Allerdings wurden Früchte oder Eier ebensowenig verschmäht.
Diese Carnivoren waren morphologisch auf ein Leben sowohl am Boden, als auch in den Bäumen entwickelt.
Allerdings gibt es auch die durchaus umstrittene Theorie, welche besagt, das sich der tatsächliche Urahn unseres Canis lupus familiaris auf einen kleinen (ähnlich Streifenhörnchen)
nordamerikanischen Räuber aus der Oberkreide (Maastrichtium, vor 70,6.. 65,5 Mio. Jahren) zurückführen lässt - dem Cimolestes (Marsh, 1889).
© www.paleocene-mammals.de
Dieser kleine Räuber ernährte sich vermutlich hauptsächlich von Insekten. Bei dem Urahn des Wolfs handelte es sich demnach also um einen Insektenfresser? Durchaus eine interessante Hypothese, allerdings ist von Cimolestes nur sehr wenig bekannt, da der Nachweis seiner Existenz ausschließlich auf Zahnfunden fußt.
Die Evolution der Hundeartigen (Caniformes)
Man geht davon aus, das sich im Laufe des späten Eozäns die Ordnung der Carnivora (Raubtiere) in die beiden Raubtier- Stammlinien der Hundeartigen (Caniformia - Kretzoi, 1943) und der Katzenartigen (Feliformia - Kretzoi, 1945) aufgespaltet haben. Die jeweiligen Stammlinien setzen sich aus den Vertretern der folgenden Familien zusammen:
- Hundeartige (Caniformes) -
- Hunde (Canidae)
- Arctoidea -
- Bären (Ursidae) -
- Walrosse (Odobenidae) -
- Ohrenrobben (Otariidae) -
- Hundsrobben (Phocidae) -
- Kleine Pandas (Ailuridae) -
- Skunks (Mephitidae) -
- Kleinbären (Procyonidae) -
- Marder (Mustelidae) -
- Katzenartige (Feliformes) -
- Pardelroller (Nandiniidae) -
- Aeluroidea
- Katzen (Felidae) -
- Schleichkatzen (Viverridae) -
- Hyänen (Hyanidae)
- Mangusten (Herpestidae) -
- Madagassische Raubtiere (Eupleridae) -
Die Entwicklung der Hunde fand ihren Ursprung in Nordamerika und war geographisch auf diesen Kontinent beschränkt. Hier entwickelte sich im Eozän (Bartonium, vor 40,4 - 37,2 Mio. Jahren) ein kleinwüchsiger Canide (etwa in der Größe eines Fuchses), der Hesperocyon - (Scott, 1890). Bei dieser Gattung handelte es sich um einen wendigen und muskulösen Räuber. Dessen Gangwerk unterschied sich deutlich von dem der Miaciden (längere Läufe, ausgebildete Fußballen, Zehengänger). Dadurch konnten er sich am Boden deutlich besser bewegen (Jagd).
Die Evolution der Hesperocyon brachte mehrere Canidenformen hervor. Diese reichten von Fruchtfressern bis hin zu hyänenähnlichen Caniden mit schweren und kräftigen Kiefern.