Der gebrauchte Hund

Zum Gedenken an Harry und Jason

Eine evolutionäre Erfolgsgeschichte

Die Evolution der Hesperocyon


Hesperocyon gregarius
Hesperocyon gregarius (Cope, 1873)
© Smithsonian National Museum of Natural History

Aus diesen Hundeartigen Raubtieren, welche im Oberen Oligozän (Chattium, vor 28,4 - 23,03 Mio. Jahren) ausstarben, gehen drei Entwicklungslinien hervor:

Die Evolution der Canidae
Evolution der Familie der Hunde in Nordamerika
© Xiaoming Wang, Ph.D.

Die Hesperocyoninae bilden die frühzeitlichste und älteste Gruppe der Caniden. Die Diversität dieser Unterfamilie erreichte vor ca. 28 Mio. Jahren, also im Mittleren Oligozän ihren Höhepunkt. Obwohl ihre Ausbreitung ausschließlich auf den Nordamerikanischen Kontinent beschränkt blieb, stellten die Vertreter der Hesperocyoninae die dominierenden Carnivoren ihrer Zeit dar.

Schädel des Mesocyon coryphaeus
Schädel des Mesocyon coryphaeus
© Dr. X. Wang, Dr. R. Tedford,
Natural History Museum of Los Angeles

Vor ca. 13 Mio. Jahren (Mittleres Miozän), endet die Linie und Evolution der Hesperocyoninae.

Die Borophaginae, allgemein auch als Hyänenartige bekannt, stellen die größte und artenreichste Gruppe der frühzeitlichen Caniden dar. Die Evolution der Borophaginae begann vor ca. 32 Mio. Jahren (Unteres Oligozän - Rupelium, vor ca. 33,9 - 28,4 Mio. Jahren) und sollte ca. 30 Mio. Jahre dauern (Oberes Pliozän).

Ihre Artenvielfalt reicht von Waschbär ähnlichen Allesfressern bis zu Hyänenartigen Top-Räubern der Nahrungskette. Auch ihre Ausbreitung blieb ausschließlich auf Nordamerika beschränkt. Man vermutet, das die morphologische Spezialisierung vieler Arten dieser Unterfamilie auf das, zu dieser Zeit üppig vorhandene Nahrungsangebot in Flora und Fauna, letztendlich den Schlüssel zum Untergang dieser Arten werden sollte (Klimawechsel, ökologischer Wandel).

Rotkäppchens Albtraum

Rate mal, wer zum Essen kommt, falsch, wer Dich fressen wird!

Epicyon haydeni
Darstellung Jagdszene mit Epicyon haydeni
© Prof. Mark Hallett

Diese Darstellung einer Jagdszene im späten Miozän des Künstlers Prof. Mark Hallett zeigt die Rekonstruktion des größten Caniden aller Zeiten. Epicyon haydeni (Leidy, 1858) erreichte die Größe eines ausgewachsenen großen Bären. Diese Darstellung wurde übrigens im Jahre 2002 mit dem John J. Lanzendorf Paleo Art Award der Society of Vertebrate Paleontology ausgezeichnet.

So entwickelte sich in der Linie der Borophaginae eine höhere Form eines Caniden, der Tomarctus (COPE, 1873), ein bärenähnlicher Hund mit kurzem Fang und beachtlichem Gebiss. Der Name bedeutet „Nahezu ein Bär“. Tomarctus galt lange Zeit als der Urvater der Canini (Echte Hunde). Diese Bärenhunde ähnelten hinsichtlich Knochen und Gebissstatus durchaus den Canis. Der Entwicklungslinie der Borophaginae und somit auch die der Bärenhunde endet etwa zum Ende des Gelasiums mit dem Übergang von Pliozän ins Pleistozän (vor ca. 1,806 Mio. Jahren).

Epicyon haydeni
Epicyon haydeni (Leidy, 1858) und Epicyon saevus (Leidy, 1859)
Rekonstruktion (Wang et al., 2004)

Ein kleines fuchsartiges Raubtier namens Leptocyon

Ein kleines fuchsartiges Raubtier leitete vor ca. 30 Mio. Jahren (Oligozän - Rupelium) die Entwicklungslinie der Caninae ein, der Leptocyon (Matthew, 1918). Erst mit dem Rückgang der dominierenden Bärenhunde kommt es zur Entfaltung der Caninae. Fehlende Spezialisierung und nur bedingt morphologische Ausrichtung auf spezifische Nahrungsquellen und die daraus resultierende Anpassungsfähigkeit an Umweltveränderungen und Veränderungen im Ökosystem Erde hatten den Caninae, im Gegensatz zu deren lange Zeit überlegenen und spezialisierten Beutekonkurrenten, das Überleben gesichert. Etwa im Tortonium des Miozäns (vor 11,6 - 7,3 Mio. Jahren) gehen aus Leptocyon die Gattungen Vulpes (Frisch, 1775) und Canis hervor.

Vor ca. 7 Mio. Jahren wanderten Nachfahren der Gattung Leptocyon der Art Canis davisi (Tedford and Qiu, 1996) über die damals bestehende Landbrücke Beringia (der heutigen Beringstraße) am nördlichen Abschluss des Beringmeers von Alaska nach Sibirien. Lange nach Canis davisi sind übrigens gewisse Vertreter der Hominide, sogenannte Menschen, über diese Landbrücke von Sibirien aus in Nordamerika „eingewandert“.

Die Canis davisi breiteten sich von Sibirien über Asien, Europa und Afrika weiter aus, und legten so den Grundstein zur rezenten Diversität der Canidae.

Pfote eines Hundes

Damit endet der kleine Streifzug durch die Welten der Altvorderen unserer Hunde. Ich hoffe mal, dass der Hobby-Paläontologe nicht allzu sehr durchgekommen ist. Fest steht, dass Terry und ich auf unseren Pfaden durch dunklen Tann dann doch lieber auf Canis lupus treffen als auf Epicyon haydeni.

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