Terry - Der Rückläufer
Am Ende des Tages steht die Nachtrunde
Nachdem er sich ein bisschen ausgeruht hatte, stand die Fütterung an. Da der Tag stressig genug für ihn gewesen war, gab es natürlich sein Krümelfutter aus dem Tierheim. Bereits bei der Zubereitung seines Futters offenbarte sich, dass Futtern regelrecht das Größte für ihn darstellt. Bei Straßenhunden allerdings nicht ungewöhnlich. Kaum in die Futterstation eingebracht, fiel er über seine Mahlzeit derart her, als würde es kein Morgen mehr geben. Die nachfolgende Abendrunde verlief ohne jegliche Probleme. Allerdings mussten wir erkennen, dass er auch hier, auf für ihn vollkommen unbekanntem Terrain, gesteigert aggressiv auf Artgenossen reagierte. Nur gut, dass wir, was die Hundekunde betraf, in dem Jahr an Jasons Seite nicht alles wieder vergessen hatten. Demgegenüber schienen ihn Menschen, vorbeifahrende Pkw und Fahrradfahrer überhaupt nicht zu interessieren.

Gegen 22:00 Uhr stand die letzte Runde des Tages an – die Spätrunde. Problemlos ließ sich Terry zu fortgeschrittener Stunde das Geschirr anlegen und schon konnte es losgehen. Mit Hingabe wurde ich die Außentreppe herunter und dann straight aus der Anlage gezogen. Offensichtlich schien unser Neuzugang von einem Spaziergang zu später Stunde hellauf begeistert zu sein. Denn so etwas hatte er in Pforzheim mit Sicherheit nicht kennengelernt. Schnell hier eine Marke gesetzt, kurz darauf, am Waldrand angekommen, dann direkt die Nächste. Mir fiel auf, dass Terry hellwach zu sein schien. Er schien irgendwie schlanker. Seine Bewegungen nach vorne regelrecht tänzelnd. Die Rute stets aufrecht getragen. Bei Ansprache begann sie, von links nach rechts zu schlagen. Klar, der Wald war längst zum Leben erwacht, die Dunkelheit hatte Einzug gehalten und unser „Jagdhund hoch Zwei“ wurde nur so mit Reizen überflutet. Es gab mit Sicherheit jede Menge an Geräuschen, welche er noch nie zuvor vernommen hatte. Sein Hochleistungsriechorgan leistete unverkennbar Schwerstarbeit. Das war genau die Welt, in welche ein Hund wie Terry gehört. An der Straße angekommen, mussten wir gleich mehrere Autos passieren lassen. Aber auch diese schienen Terry nicht ansatzweise aus der Reserve locken zu können. Auf der anderen Straßenseite angekommen, ging es dann weiter in Richtung Friedhof. Unseren Hundemann ließ ich dabei an der gelängten Leine auf dem Grünstreifen laufen, denn unverkennbar lag hier für eine Hundenase jede Menge Lesestoff herum. Nachdem wir den Friedhof passiert hatten, querten wir über die angrenzende Wiese. Das war genau ein Weg nach Terrys Gusto. Die Kommunikation zwischen Terry und mir funktionierte nahezu perfekt. Über Hör- und Sichtzeichen ließ er sich problemlos anleiten. Und es war offensichtlich, dass er diese Runde regelrecht genoss. Als wir die Wiese überquert hatten, ging es ein kurzes Stück weiter durch den Ort, bis wir erneut den Waldrand erreicht hatten. Gerade als wir das Ende der Straße erreicht hatten, kam uns aus einem schmalen Durchgang ein Mann mit Hund entgegen. „Nur gut, dass wir uns nicht im Durchgang getroffen haben!“, dachte ich mir. Der Hund, tief, breit und recht kompakt gebaut, hatte von Anbeginn an Terry fixiert. Wenn da mal kein Anlagenhund seine Hand mit im Spiel gehabt hatte. Die Einschläge eines Staffordshire Terriers oder American Staffordshire Terriers waren in unserem Gegenüber nicht zu übersehen. Und schon hatte Terry das aggressive Verhalten des Entgegenkommenden aufgenommen. Die Fixierung wurde prompt erwidert und schon war ein aggressiver Komment im vollen Gange. Ein Umstand, welcher dem entgegenkommenden Hundeführer allerdings vollkommen verborgen geblieben sein musste. Denn wie sonst ließ es sich erklären, dass er mir direkt anbot, dass sich beide Hunde doch einmal „beschnuppern“ sollten. Am besten das Ganze auch noch ohne Leine. Sorry lieber Leser, aber wie unbedarft muss man eigentlich durchs Leben wandeln, um eine derartige Situation so vollkommen falsch einschätzen zu können? Dieser gute Mensch da bei unserem Gegenüber hatte offensichtlich nicht auch nur ansatzweisen einen Plan vom Ausdrucksverhalten der Hunde. Außerdem war ihm entgangen, dass Terry bei Annäherung zusehends auf Spannung ging, seinen Hund fixierte und ein Knurren von sich gab, welches einem ausgewachsenen Rottweiler-Rüden zu Ehren gereicht hätte. Dann wendete der entgegenkommende Hund den Kopf zur Seite und unterbrach den Sichtkontakt zu Terry. Wenigstens einer, welcher hier nicht bedingungslos auf Krawall aus war. Auf Distanz gab ich dem guten Hundeführer zu verstehen, dass Terry erst vor wenigen Stunden unserer Obhut anvertraut worden war. Auch musste ich darauf hinweisen, dass Terry nicht ohne sei, sprich, eben alles andere als ein Sozialdemokrat war. Meine Ausführungen wurden mit einem milden Lächeln und den Worten „Ach der weiß sich schon zu wehren!“ beantwortet. Im gleichen Atemzug war aus dem milden Lächeln ein recht freches Grinsen geworden. Und so kam der Gute mit seinem Hund weiter vollkommen unbedarft auf uns zu gestiefelt. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war für mich offensichtlich, was gleich passieren würde. In logischer Konsequenz nahm ich Terry auf die abgewandte Seite und brachte mich zwischen die Hunde. Es wäre clever gewesen, wenn mein Gegenüber diesem Beispiel gefolgt wäre, doch das blieb leider Wunschdenken. In diesem Augenblick glich Terry regelrecht einer tickenden Zeitbombe, deren Timer in der nächsten Sekunde heruntergezählt hatte. Und oh Wunder, es kam, was einfach kommen musste. Als wir uns auf gleicher Höhe befanden, kam Terry mit Wucht nach vorne geschossen, wobei er mir gleich einmal die Leine aus der unterstützenden linken Hand gerissen hatte. Schon hing er in der Luft, das Maul weit aufgerissen und wollte augenfällig den Kontrahenten am Genick packen. In den Sekundenbruchteilen, welche über Hop oder Top entscheiden würden, war zumindest einer der beiden Hundeführer auf dem Quivive. Instinktiv hatte ich nachgegriffen und gleichzeitig einen regelrechten Satz nach hinten gemacht. Infolgedessen wurde Terry regelrecht aus der Luft geholt und von seinem Kontrahenten distanziert. Anstatt sein Geschirr zu greifen, drehte ich mich direkt in die Leine, denn ich ging davon aus, dass Terry bei Handkontakt seine Priorität umgeleitet und direkt „zugepackt“ hätte. Dann hatte ich ihn wieder unter Kontrolle und schob ihn sanft mit dem Bein weiter. Während ich beruhigend auf ihn einredete, brachte ich ihn weiter auf Distanz zum anderen Hund. Für diese beiden Helden war das alles viel zu schnell gegangen. Hund und Halter hatten sprichwörtlich keinerlei Reaktion gezeigt. „Na, verstehen Sie nun, was ich gemeint habe?“, diesen Kommentar konnte ich mir einfach nicht verkneifen. Und ja, jetzt hatte der gute Mann verstanden und das freche Grinsen war einem ungemein schlau aussehenden Gesichtsausdruck gewichen. Was Terry anging, nun, der kantige Kopf mit den sich ständig aufblasenden Lefzen war ein ungemein knuffiger Anblick. Untermalt wurde das Ganze von einem tiefen Grollen in Richtung der beiden anderen. Das war noch einmal glimpflich abgelaufen und so verabschiedeten wir uns höflich voneinander. Kurz darauf befand sich auch Terry wieder auf normaler Betriebstemperatur und war wieder in den Reihen der Friedfertigen angekommen. Doch unterm Strich war dieser Vorfall so unnötig wie ein Kropf, war er doch vermeidbar gewesen. Beide Hunde hatten bereits auf Distanz aggressiv miteinander kommuniziert. Das hätte selbst ein Kevin Roy Wayne erkannt. Leider war das bei meinem Gegenüber eben nicht der Fall gewesen. Denn sonst hätten wir uns beide zwischen die Hunde gebracht und zusätzlich Distanz hergestellt. Einfach mal die Rübe einschalten und mitdenken. Statt mit den Fähigkeiten seines Hundes zu prahlen, hätte man auf einfachste Art und Weise die beiden Hunde ohne Machtspielchen aneinander vorbei führen können. Stressvermeidung lautete das Zauberwort. Aber nun gut, Terry hatte erneut unter Beweis gestellt, dass noch jede Menge Arbeit vor uns lag.

Ernüchterung
Nach einer ruhigen und friedlichen Nacht freuten wir uns wie Bolle auf Tag 2 mit unserem neuen Familienmitglied. Dass Terry nicht ganz „Ohne“ war, hatte er ja gestern Abend zu Genüge unter Beweis gestellt. Nie hätte ich geahnt, dass mich Terry schon sehr bald auf die Probe stellen würde. Anja und Terry hatten auf der Morgenrunde richtig Spaß gehabt und auch seine Fütterung war nach dem bekannten Muster abgelaufen. Alles war so, wie es sein sollte, zumindest bis zu jenem Augenblick. Anja erledigte die Einkäufe, während ich mich dem Haushalt widmete. Als ich nach getaner Arbeit in der Küche das Wohnzimmer betrat, hatte sich Terry auf dem Gabbeh abgelegt. Da sein Blick meinen Bewegungen aufmerksam folgte, sprach ich ihn freundlich an und schlug einen großen Distanzbogen. Sein Ausdrucksverhalten signalisierte Aufmerksamkeit aber keinesfalls war irgendeine Form von Drohverhalten zu erkennen. Seit ich allerdings mit seinem Ausdrucksverhalten vertraut bin, habe ich verstanden, warum ich mit dieser damaligen Einschätzung vollkommen daneben gelegen war. Lehrjahre sind halt keine Herrenjahre und im Umgang mit „Besonderen Hunden“ ist das Leben nun einmal ein stetes Lernen. Dann ging alles blitzschnell, viel zu schnell für mich. Oder besser ausgedrückt, hatte er mich eiskalt erwischt. Ansatzlos hatte er sich aus dem Liegen heraus katapultiert, sprang mich direkt an, erwischte mich an der linken Hand und zog sich postwendend zurück. Jetzt stand er in einiger Entfernung da und fixierte mich regelrecht. Das gelegentliche Hochziehen der Lefzen war alles andere als eine Aufforderung zum heiteren Spiel. Im Nachhinein betrachtet, hatte ich in dieser heiklen Situation genau die einzig richtige Entscheidung getroffen. Statt dem Zorn über diese Attacke freien Lauf zu lassen, gelang es mir, deeskalierend auf Terry einzuwirken. Denn schließlich stand da der Hund vor mir, welcher sich am gestrigen Abend von mir noch ordentlich durchkraulen ließ. Und dass er diesen engen Kontakt sichtlich genossen hatte, stand außer Frage. Kurze Zeit später war die Wunde versorgt und zwischen ihm und mir alles wieder so, als hätte der Vorfall nie stattgefunden. Ehrlich gesagt, hatte für mich das Ganze bestenfalls bedingt Sinn ergeben, zumindest zum damaligen Zeitpunkt.
Auf der ausgedehnten Mittags-Runde war ich alleine mit ihm unterwegs und hatte den folgsamsten Hund der Welt an der Leine. Wir hatten beide unseren Spaß, studierten uns gegenseitig und es stand außer Frage, dass dieser Hund begierig darauf war, gefordert zu werden. Der restliche Tag verlief, mal abgesehen von seiner aggressiven Kommunikation mit Artgenossen, harmonisch und ohne weitere „Zwischenfälle“.

Ernüchterung - Nachschlag
Das Highlight des Sonntags bestand darin, dass wir uns mit Nachbarn zum Mittagessen im Kurpark-Pavillon trafen. Terry genoss unverkennbar die Ansprache und präsentierte sich auch auf der dortigen Terrasse als folgsamer und knuffiger Begleiter. Es hatte regelrecht den Anschein, als ob solche Lokal-Besuche für ihn das Normalste der Welt wären.
Angesichts des harmonischen Miteinanders während des ganzen bisherigen Tages, traf mich die folgende Begebenheit umso mehr. Ich saß gerade am Esstisch im Wohnzimmer und bearbeitete meinen Laptop, als Terry zu mir heran getrabt kam um sich an meinen Oberschenkel zu drücken. Nach heller freundlicher Ansprache begann ich damit, ihn am Rücken zu streicheln. Gut, dass ich aus dem Augenwinkel die zitternden Lefzen und die freigelegten Zähne rechtzeitig erkannt hatte – der Kopf kam blitzschnell herumgeschossen, doch der laute Knall des zuschnappenden Hundekiefers ging ins Leere, ebenso, wie das kurze Nachsetzen. Kaum zu glauben, doch bis zu diesem Zeitpunkt hatte er sich zuvor mehrfach von mir streicheln lassen, regelrecht Kraul-Einheiten eingefordert.
Offenkundig gab es zwischen Terry und mir, nennen wir es einmal gewisse Unklarheiten. Was Anja betrifft, diese schien er unverkennbar ins Herz geschlossen zu haben. Klar, sie war es gewesen, welche das Gros der Gassi-Runden im TH mit ihm absolviert hatte. Nach Rücksprache mit dem Tierheim hatte sich erneut bestätigt, dass wir uns ein durchaus heftiges Brett angelacht hatten. Ebenso stand fest, dass, sollten wir Terry wieder zurückgeben, seine Vermittlungschancen endgültig gegen 0% gegangen waren. Der zweijährige Terrier-Mix wäre aus der Vermittlung genommen worden. Für den Fall, dass er bleiben dürfte, hatte man uns natürlich Unterstützung zugesagt. Terry war der erste Hund gewesen, welcher mich in meinen Ü-50-Jahren gebissen hatte. Dennoch war offenkundig geworden, dass es sich bei ihm keinesfalls um einen a priori gefährlichen Hund handelte. Ich glaube, dass ich mich am meisten über mich selbst geärgert hatte, denn irgendetwas musste ich in der Interaktion mit Terry übersehen haben. Natürlich durfte Terry bleiben. Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass, hätten wir Terry tatsächlich wieder zurückgegeben, wären Harry und Jason von der anderen Seite zurückgekehrt, um mir gehörig den Kopf wund zu schlabbern und die Leviten zu lesen. Und ja, sie hätten es zu Recht getan!
In der Hundewelt geschieht nichts ohne Grund
Das Eine stand außer Frage – verglichen zu Harry war Terry damals in jeglicher Hinsicht ein Leichtgewicht gewesen. Nur hatte es leider ein paar Tage bedurft, um mir selbst dessen wieder bewusst zu werden. In diesen Tagen war ich Terry gegenüber deutlich dominant und nahezu ohne Toleranz gegenüber getreten. Zwei bis drei Tage hatten ausgereicht, um bei Terry erste Anzeichen von Handscheue hervorzurufen. Gut, dass ich rechtzeitig verstanden hatte. Nüchtern betrachtet stand außer Frage, dass Terry bei seinen Attacken gegen mich keinesfalls auf eine ungehemmte Beschädigung aus gewesen war. Denn einerseits hatte er nicht mit Nachdruck nachgesetzt und zum anderen hatte er, insbesondere angesichts seiner Fähigkeiten, bestenfalls gehemmt zugepackt. Allerdings hatte er zuvor Distanz überbrückt und mich angesprungen. Zudem war bekannt, dass er signifikante Probleme mit Männern besaß. Ob auf der Straße oder durch die Hundefänger, vielleicht sogar im Tierheim Zagreb selbst, irgendetwas war diesem Hund widerfahren, was ihm Anlass für sein Verhalten gab. Es lag nun an mir, diesem Anlass entgegenzuwirken. Doch dazu musste ich erst einmal Terry entsprechend „ausloten“. Hunde sind Individuen und so musste ich mich ebenfalls fragen, warum ich Terrys Kommunikation vor dem ersten Vorfall im Wohnzimmer nicht verstanden hatte. Oder hatte er womöglich gar nicht kommuniziert? Das wäre wiederum ein Problem gewesen. Eines gleich vorweg, er hatte mit mir in der Tat aggressiv kommuniziert, doch wie ich schon bald erkennen durfte, besitzt er diesbezüglich ein recht individuelles Ausdrucksverhalten. Ich gehe diesbezüglich noch einen Schritt weiter. Terrys individuelles Verhalten angesichts vermeintlicher Bedrohungen stellt durchaus so manche Lösungen auf Fragen beim Sachkundenachweis infrage.

Höchste Eisenbahn also, sich mit Sinn und Verstand der Herausforderung Terry stellen. Auf der Haben-Seite stand die Erkenntnis, dass es sich bei Terry um einen recht sensiblen Hund handelt. Darauf konnte man aus seinem Verhalten auf mein Herumpoltern schließen. Er besaß eine „Zündschnur“ mit recht überschaubarer Länge. Zudem war er ein recht unsicherer Hund, dessen Lösungsstrategie in der Regel im Gang nach vorne bestand. Charaktereigenschaften, welche die Eckpfeiler unseres weiteren Vorgehens vorgaben. Er und ich mussten unbedingt an unserer Kommunikation arbeiten, sprich, ich musste vor allem sein Ausdrucksverhalten verstehen. Und nach dem Vorfall am vorangegangenen Sonntag lag für mich die Vermutung nahe, dass er sich sehr schnell körperlich „Bedrängt“ fühlte. Ach ja, und zu guter Letzt befand er sich auch noch in einer vollkommen neuen Umgebung. Na, wenn das mal keine gute Gesamtkonstellation gewesen war! Doch bei alledem hatten wir ja noch einen gewichtigen Trumpf im Ärmel – meine Frau Anja. Denn so wie es aussah, hatte sich Terry sie für seinen Menschen erkoren. Denn bereits nach so kurzer Zeit trat ihr Terry erheblich toleranter entgegen, als es bei mir der Fall war.
Der Zug nimmt Fahrt auf
Also hatten wir unsere Schlüsse gezogen und uns entsprechend abgestimmt. Fest stand, dass ich nun ein Gros der Aufgaben übernehmen sollte. Es war an mir, sich sein Vertrauen zu verdienen. Ich hatte mich darauf eingestellt, dass es nicht leicht werden würde, einen Terrier-Jagdhund-Mischling, und dabei spiele ich auf die rassespezifischen Charaktermerkmale an, davon zu überzeugen, seine bisherige Lebenserfahrung durch neue positive Erfahrungen sukzessive zu „überschreiben“. Hier unsere daraus resultierende To-do-Liste:
- Eigentlich recht überschaubar:
- Terrys individuelles Ausdrucksverhalten studieren und unsere bereits bestehende Kommunikation entsprechend anpassen;
- Bei Harry hatte sich eine sanfte Erziehung nach dem Prinzip der positiven Verstärkung als die goldrichtige Entscheidung erwiesen. Angesichts Terrys Verhalten und seiner Vergangenheit also ebenfalls die einzig richtige Wahl. Ohne zu viel vorwegzunehmen, erneut waren wir damit und unserer Umsetzung genau richtig gelegen;
- Futtern war und ist für Terry auch heute noch unverändert das Größte. Ich würde fortan das Gros der Fütterungen übernehmen und ein entsprechendes Fütterungsritual entwickeln. Verknüpfe den Arne mit etwas äußerst Positivem. Zudem vermitteln Rituale unsicheren Hunden Sicherheit;
- Das Anlegen des Geschirrs kommt einer körperlichen Bedrängung des Hundes durchaus recht nahe. Also war es fortan zu meinem Part geworden. Gerade aufgrund Terrys diesbezüglicher Toleranz musste ich ebenfalls ein Ritual kreieren, in welchem Terry diese Aktion mit etwas Positivem verknüpft;
- Trigger zu aggressivem Verhalten ausloten und Systematiken ableiten. Erarbeitung von Strategien zur Stressvermeidung;
- Terry muss ganzheitlich gefordert und gefördert werden. Bei einem Terrier-Jagdhund-Mischling heißt dass, körperliche Auslastung, Kopfarbeit, Lenkung des Jagdtriebs in richtige Bahnen. Gerade angesichts der Kombination Terrier-Jagdhund kommt dem zuverlässigen Gehorsam sowie der Kontrolle des Jagdtriebs essenzielle Bedeutung zu;
- Schleppleinen-Training mit der Zielsetzung Leinenfreiheit;
- Ach ja, das Wichtigste fehlt noch – Konsequenz, Konsequenz, Konsequenz. Ein Hund ist schließlich 24 Stunden am Tag ein Hund. Und das ist auch gut so!
Terry war und ist nach wie vor ein hellwacher Hund und besitzt eine beeindruckende Auffassungsgabe. Schon sehr bald war offensichtlich, dass er gefordert werden will und muss. So hatte er beispielsweise ein neues Kommando binnen weniger Tage verinnerlicht.
Es versteht sich von selbst, dass ich hier nicht all die unzähligen Maßnahmen erörtern kann, welche wir getroffen und konsequent durchgezogen haben. Hunde sind Individuen, und es bedarf im Umgang mit ihnen jeder Menge „Feintuning“ um etwas nachhaltig zu bewirken. Eines muss man sich dabei aber stets vor Augen halten – im Umgang mit unsicheren Hunden kann mit einer einzigen unbedachten Handlung innerhalb kürzester Augenblicke die Arbeit von Wochen zunichtegemacht werden!