Der gebrauchte Hund

Zum Gedenken an Harry und Jason

Verantwortung übernehmen

Der Weg zum Familienmitglied

So, nach diesem kleinen Ausflug in Terrys Welt zurück zum eigentlichen Thema. Mit unseren Seiten möchte ich die Besucher dazu motivieren, sich ganz bewusst für einen Hund zu entscheiden. Seid Euch Eurer Verantwortung voll und ganz bewusst! Und keine Sorge, „Besondere Hunde“ sind beim Tierschutz keinesfalls die Regel. Aus eigener Erfahrung kann ich unterschreiben, dass dort zahllose mehr oder weniger geschliffene Diamanten auf ihre Menschen warten. Manche davon bringen tatsächlich das ein- oder andere unerwünschte Verhalten mit ins neue Heim. Doch daran kann man arbeiten, denn schließlich hat man sich ja im Vorfeld ausgiebig vorbereitet. Und falls man nicht weiterweiß, nun, Hundetrainer gibt es zuhauf. Haltet Euch stets vor Augen, dass Euer neuer Hund vom Tierschutz seine eigene Geschichte mitbringt. Ihr wisst in der Regel so gut wie nichts über dessen Prägephase, ebenso wenig über dessen „altes Leben“. In der Hundewelt geschieht nichts ohne Grund. Vergesst das nie! Euer Schützling kann nicht das geringste für seine Auffälligkeiten. Es ist nun an Euch, ihn anzuleiten und sich sein Vertrauen zu verdienen!

Harry und Merlin
Harry und Anja - Naturpark Bayerischer Wald

Das Gleiche trifft natürlich auch auf die „Besonderen Hunde“ zu, nur dass hier die problematische Gemengelage recht breit aufgestellt sein kann. Jeder Hundehalter ist sich darüber bewusst, dass man bereits durch einen steten falschen, nicht artgerechten Umgang selbst einen ganz „normalen“ Hund zu einem frustrierten Hund „formen“ kann. Wenn das Ende der Fahnenstange dann eines Tages erreicht wird, knallt es eben. Was passiert dann erst bei einem Hund, dessen Leben zuvor aus Gängelung, Misshandlung und Vernachlässigung bestanden hat? Nach all dem, was diese Hunde durchgemacht haben, haben sie sich Verhaltensmuster und Problemlösungsstrategien angewöhnt, deren Folgen durchaus fatal für Hund und Mensch sein können. Und genau hier seid Ihr nun gefragt! Bevor Ihr euch eines solchen Hundes annehmen wollt, prüft euch eingehend, ob ihr den mit dieser Übernahme einhergehenden Konsequenzen wirklich gewachsen sein werdet. Hier mal ein paar Hausnummern. Wo steht man in Sachen profunder Hundekunde? Kommunikation ist das A und O in jeder Hund-Mensch-Beziehung. Wie sieht es mit der Kreativität aus, um beispielsweise Lösungsstrategien gegen unerwünschtes Verhalten zu entwickeln? Und da noch kein Meister vom Himmel gefallen ist, muss man austesten, austesten und noch mal austesten. Hunde sind nun einmal Individuen. Rückschläge sind fixer Bestandteil eines jeden Trainings. Und glaubt mir, nicht alle Menschen, welche euch da draußen mit eurem verhaltensauffälligen Hund über den Weg laufen, werden euch mit Wohlwollen begegnen. Ganz im Gegenteil. Und damit meine ich nicht die Hundehasser. Diese Typen wird es immer geben. Angesichts des Verhaltens eures Hundes werden so manche Mitbürger euch gegenüber deren Fassade fallen lassen. Sich einem „Besonderen Hund“ anzunehmen gleicht in der Tat einer Lebensschule für Hund und Mensch, das kann ich unterschreiben. Ausdauer, Beharrlichkeit und ein großes Herz sind somit ebenfalls unabdingbar, wenn man sich auf einen „Besonderen Hund“ einlassen will.

Harry - mal so richtig abhaengen
Harry - Einfach mal abhängen

Wie dem auch sei, viele Monate später wird sich ganz alles wieder Stück für Stück einrenken. Der Gegenwind wird nachlassen und beginnt sich hier und da sogar zu drehen. Nämlich dann, wenn verstanden wird. Wenn die Erkenntnis in den Köpfen ankommt, dass es einen a priori gefährlichen Hund tatsächlich nie gegeben hat. Dass der Hund Anlass dazu hatte, dieses Verhalten an den Tag zu legen. Auch die Erkenntnis, dass es sich bei Euch, den Leuten am anderen Ende der Leine, eben nicht um die klassische Klientel handelt, bei welcher der auffällige Hund als Alter Ego herhalten muss, wird sich zunehmend Bahn brechen. Dass Ihr stattdessen die Leute seid, welche dem Hund geholfen haben. Gut, was mich betrifft, so hoffe ich auf einen Lerneffekt. Ich wünschte mir, dass sich diese guten Menschen vielleicht beim nächsten Aufeinandertreffen mit einem anderen „Besonderen Hund“ eben nicht mehr produzieren müssen, sondern vielmehr dessen Verhalten hinterfragen. Positive Emotionen bringen Hund und Halter weiter, vergesst das nie!

Doch da gibt es etwas, dass über allen steht. Einem „Besonderen Hund“ Lebensfreude und Lebensqualität zurückzugeben, ist etwas rundum Gutes. Sich Bindung und Zuneigung eines solchen Hundes verdient zu haben, etwas ganz Besonderes. Sicher, deren Lebenserfahrung wird sie zeitlebens von Hunden unterscheiden, welche als Welpen in verantwortungsbewusste und liebevolle Hände übergeben worden waren. Doch manchmal kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, als wären sich die Hunde darüber voll und ganz bewusst, was ihre neuen Menschen für sie getan haben. Und nein, damit meine ich nicht alleine den artgerechten Umgang, oder die Erfüllung ihrer art- und rassespezifischen Bedürfnisse. Da ist mehr, erfahrungsgemäß mehr. Ich weiß nicht, wie ich es beschreiben kann. Wie dem auch sei, findet es doch einfach selbst heraus. Es wird sich lohnen, glaubt mir!

Pfote eines Hundes

Zu guter Letzt

Die Verantwortung der Adoption eines gebrauchten Hundes vom Tierschutz - einfache Worte von tiefgreifender Bedeutung. Eine 100-prozentige Sicherheit hinsichtlich der, zum Zeitpunkt der Entscheidungsfindung zur Adoption bestehenden, Lebensumstände gibt es in den heutigen Zeiten natürlich längst nicht mehr. Unvermeidbare berufliche Veränderungen, Krankheit oder sonstige einschneidende Ereignisse mitsamt deren komplettem Spektrum an Konsequenzen haben einen jeden von uns schon mehr oder weniger zu Genüge getroffen. Solche Ereignisse sind nur bedingt vorherseh- oder abschätzbar. Und ja, ich weiß ganz genau, wovon ich rede.

Es ist tragisch, und dennoch entspricht es offensichtlich dem modernen Zeitgeist, dass der Mensch mit Begriffen von weitreichender Bedeutung nur allzu sorglos umgeht. Mit unseren Seiten versuchen wir nun, angehenden „Adoptiveltern“ die Aspekte einer dauerhaften Verantwortung für ihren gebrauchten Hund aufzuzeigen, welche sie tatsächlich beeinflussen können.

Brüder
Und der Harry geht mit dem Arne jetzt nach Hause

Eine Frage bleibt allerdings noch zu klären. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht mehr, wie oft mir diese Frage in den vergangenen Jahren gestellt wurde. Sie lautet schlicht:

Wie finden wir denn nun den Richtigen,
welcher zu uns passt?
"


Nun ja, macht es einfach so, wie wir es bei Harry getan haben. Legt Euch nicht auf einen speziellen Hund fest, sondern gebt den Tierschützern einfach Euer Profil (alltäglicher Tagesablauf, Wohnsituation, Besonderheiten, Aktivitäten usw.). Sie finden garantiert „den Richtigen“ unter ihren Schützlingen, welcher zu Euch wie „Deckel auf Topf“ passen wird,

Stimmt's Anja?

Pfote eines Hundes

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