Vorkontrolle bei der Hundevermittlung Ablauf, Kriterien und Vorbereitung
Die Vorkontrolle ist ein verpflichtender Hausbesuch im Rahmen der Hundevermittlung. Dabei prüfen Tierschutzvereine, ob Lebensumfeld, Alltag und Erwartungen zum Hund passen. Ziel ist es, ein geeignetes Zuhause zu finden und spätere Rückläufer zu vermeiden.
Bedeutung der Vorkontrolle
Die Vorkontrolle ist ein zentraler Schritt der Hundevermittlung. Sie dient dazu, das zukünftige Umfeld eines Hundes einzuschätzen und sicherzustellen, dass Haltung, Alltag und Erwartungen zu dem jeweiligen Tier passen. Dazu werden auch die in der Selbstauskunft gemachten Angaben der angehenden Adoptanten überprüft, die Wohnsituation auf die Hundetauglichkeit getestet und im persönlichen Gespräch offene Fragen geklärt. In der Praxis weichen Angaben allerdings mitunter deutlich von der Realität ab.
Ablauf einer Vorkontrolle
Eine Vorkontrolle ist ein Hausbesuch von ehrenamtlichen Tierschutz- oder Tierheim-Mitarbeitern. Im Vorfeld werden die Mitarbeiter über Selbstauskunft und eventuellen Auffälligkeiten in den Interaktionen zwischen Hund und Adoptanten, z. B. im Rahmen der Gassi-Gänge, informiert. Danach erfolgt eine Terminabsprache für einen Hausbesuch. Die ehrenamtliche Person besucht das Zuhause der Interessenten und führt ein informatives Gespräch. Dabei werden grundlegende Themen wie Lebenslage, Arbeitszeiten, Hundeerfahrung und Pläne hinsichtlich Urlaub oder Krankheit besprochen. Auch die Selbstauskunft wird gegengeprüft. Eine Begehung des Wohnumfelds des Hundes ist unabdingbar. Dabei bekommen die Adoptanten u. a. wertvolle Hinweise hinsichtlich möglicher Verbesserungen. Mögliche Gefahrenquellen für den Hund, wie beispielsweise giftige Pflanzen oder auch bauliche Gefahrenquellen (z. B. offene Balkone) werden identifiziert, Lösungsvorschläge entsprechend diskutiert. Die Vorkontrolle stellt einen, wenn nicht sogar den gewichtigsten Faktor hinsichtlich der Überlassung eines Hundes an Adoptanten dar.
Kriterien und Prüfbereiche
Wie bereits aufgeführt, gehören zu den typischen Prüfbereichen Wohnumfeld (bei Mietverhältnissen wird die schriftliche Erlaubnis des Vermieters für die Hundehaltung geprüft). Absicherung von Garten oder Balkon, Zeitressourcen, Erfahrung mit Hunden, Familienkonstellation sowie die Fähigkeit, dem Hund ein stabiles und sicheres Umfeld zu bieten.
Vorbereitung angehender Adoptanten auf die Vorkontrolle
Dass sich angehende Adoptanten intensiv mit der Übernahme ihres Hundes vom Tierschutz auseinandergesetzt haben, ist eine Selbstverständlichkeit. Auch haben sie sich mit der Vergangenheit dieses Hundes, zumindest insoweit bekannt, intensiv auseinandergesetzt. In der Selbstauskunft wurden die Angaben zu Hundeerfahrung, Wohnumfeld des Hundes, Alltag, nicht zu vergessen auch finanzieller Leistungsfähigkeiten vollständig und wahrheitsgemäß gemacht. Kaum zu glauben, was man diesbezüglich tatsächlich auch schon mal geboten bekommt! Sinnvoll ist es also, Fragen zum Alltag und zur Betreuung vorzubereiten, Sicherheitsbereiche zu prüfen und relevante Unterlagen wie Mietvertrag oder Tierhaltungserlaubnis bereitzulegen.
Warum die Vorkontrolle wichtig ist
Letztendlich schützt die Vorkontrolle Hund und Halter vor Fehlentscheidungen. Sie stellt sicher, dass Bedürfnisse, Umfeld und Lebenssituation zusammenpassen und der Hund langfristig stabil ankommen kann.
Nachkontrolle und weitere Schritte
Viele Vereine führen nach einigen Wochen eine Nachkontrolle durch, um zu sehen, wie der Hund sich eingelebt hat und ob Unterstützung benötigt wird. Sie ist kein Misstrauensakt, sondern Teil einer verantwortungsvollen Vermittlung.
FAQ zur Vorkontrolle bei der Hundevermittlung
Bei diesen FAQ zur Vorkontrolle im Rahmen der Vermittlung eines Hundes möchte ich hinsichtlich der Vorbereitung auf die Selbstauskunft noch weitere Blickwinkel aufführen.
- Zum Thema Alltag & Management
- Wie sieht der erste Tag und die erste Woche nach dem Einzug konkret aus (Stichworte Betreuung, Ruhe und Rückzugsort)?
- Wo genau wird der Schlafplatz des Hundes sein, und ist dieser Bereich tabu für bestimmte Familienmitglieder oder Gäste?
- Wie wird das Alleinbleiben schrittweise aufgebaut, falls sich die angegebene Zeit in der Praxis verlängert?
- Welche konkreten Routinen sind für Spaziergänge, Fütterung und Ruhezeiten geplant?
- Krisen- und Problemmanagement
- Wie reagiert man, wenn der Hund in der Wohnung in den ersten Tagen unsauber ist, Gegenstände anknabbert oder Angst zeigt?
- Welchen Erziehungsstil wird bevorzugt (z. B. positive Verstärkung), und welche Hundeschule oder Trainer:in wird im Bedarfsfall kontaktiert?
- Was ist der Plan, wenn der Hund Jagdtrieb zeigt, draußen ausbüxen will oder an der Leine zieht?
- Bestehen bereits hinsichtlich Routineuntersuchungen und ggf. Notfallversorgung Kontakte zu einem Tierarzt?
- Notfallvorsorge und Zukunft
- Wer übernimmt den Hund verbindlich (mit Namen und Kontaktdaten), im Falle von Krankheit, Krankenhausaufenthalt oder gar wenn der Halter verstirbt?
- Wie ist die Betreuung bei einer Trennung geregelt oder wenn sich die berufliche Situation unerwartet ändert?
Je intensiver und tiefgründiger man sich selbst auf die Übernahme eines Tierschutzhundes vorbereitet hat, desto näher ist man an ein harmonisches Miteinander von Mensch und Familienmitglied Hund herangerückt. Ich für meinen Teil halte Vor- u. Nachkontrollen für unverzichtbar. Je tiefgründiger, desto besser. Außerdem bleibt man mit den Tierschützern nach der Übergabe ja unverändert weiterhin in Kontakt. Denn indem man diese an der Entwicklung ihrer vormaligen Schützlinge teilhaben lässt, zollt man ihnen im gleichen Atemzug für deren aufopferungsvollen Arbeit für ihre Schützlinge Respekt.