Der gebrauchte Hund

Zum Gedenken an Harry und Jason

Harry - Bürde der Vergangenheit

Dr. Harrybo und Mr. Harry - Die Sache mit der Dunkelheit

Da es sich bei Harry um einen derart liebenswerten Chaoten handelte, kamen wir nicht umhin, ihm schon bald den Namen Harrybo zu verpassen. Doch so gutmütig und friedfertig er auch gewesen war, wehe dem, welcher versuchte, seine Menschen zu bedrohen. Die Fähigkeit der Hunde auch mit Individuen anderer Spezies eine Gemeinschaft zu bilden, ist etwas ganz Besonderes. Noch einmal zur Erinnerung, Hunde sind nun einmal keine Menschen und sehen obendrein im Menschen keinesfalls einen Artverwandten. Nach diesem "Oberlehrer-Kommentar" flugs zurück zum Thema. Beginnen wir also mit einem kleinen Abendlied nach dem Gedicht des deutschen Dichters Matthias Claudius:

Der Mond ist aufgegangen,
die goldnen Sternlein prangen
am Himmel hell und klar.
Der Wald steht schwarz und schweiget,
und aus den Wiesen steiget
der weiße Nebel wunderbar.


Es ist die Zeit, in welcher der Wald zu Leben erwacht ist. Es ist die Zeit der Waldbewohner, die Zeit des Wildes, der Naturwesen, Feen und Waldgeister. Und es war die Zeit eines Grünfells mit Tigerstreifen, die Zeit des
Mr. Harry

Wie hat Anja Griesand auf ihrer Seite www.bardino.de ein Charaktermerkmal des Bardino gar aufs Trefflichste beschrieben:

Bardinos sind Fremden gegenüber oft misstrauisch,...
Gerade nachts sind die Hunde "hellwach".
Wer einmal das tiefe Knurren der Bardinos gehört hat,
wird es nicht so schnell vergessen!

 

Mein Frauchen
Auch am Arbersee - Stets hellwach

Ob Winterzeit oder auch die alltägliche Nachtrunde - sobald die Dunkelheit die Dämmerung abgelöst hat, gelten in Sachen Reviergang andere Spielregeln. Falsch, eigentlich gelten die gleichen Regeln wie am Tage, doch nun gibt es für uns als Hundeführer ein neues Szenario - in Sachen Wahrnehmung ist unser Karnivor uns Primaten nun signifikant überlegen, anders ausgedrückt, müssen seine Menschen nun noch ”hellwacher” sein, um ”vermeintliche” Bedrohungen bzw. diverse ”Trigger” zur Hatz wie Wild in der Dunkelheit (wir wohnen schließlich unmittelbar am Waldrand) zumindest noch relativ zeitgleich mit ihm zu erkennen. Was Harry betraf, so galt, ungeachtet seines sehr guten Gehorsams sowie seines friedfertigen Charakters ab Einsetzen der Dämmerung absolute Leinenpflicht! Ungeachtet der Tatsache, dass sich unser gutes Alterchen in Tigerstreifen selbst im Alter von 13 Jahren tagsüber nach wie vor zuverlässig vom Wild abrufen ließ, stellte nahes Wild bei Dunkelheit regelrecht einen Jungbrunnen für den guten Harry dar. Das waren die Situationen, welche uns stets aufs Neue daran erinnerten, dass seine Wurzeln bei Gevatter Isegrim lagen.

An Harrys Seite war man in der Tat stets gut aufgehoben. Ein kleines Beispiel? Bitte sehr:

Es war kurz vor 23.00 Uhr, Spätherbst und zudem recht ungemütlich da draußen - leichter Regen. Wir Hundehalter lieben diese Uhrzeit, denn wir dürfen gemeinsam mit unseren Hauswölfen ein letztes Mal für diesen Tag eine „Runde drehen“. In der Diele hatte ich Dr. Harrybo sein Geschirr angelegt, doch kaum dass ich, mehr oder weniger „wach“, die Tür geöffnet hatte, wurde ich auch schon direkt von Mr. Harry die Außentreppe heruntergezerrt. Im Hof angekommen, schnurstracks einen knackigen Linksschwenk hingelegt, raus aus dem Innenhof und schon befanden wir uns auf dem Fußweg zum Wald. Der Waldrand beginnt in etwa 50 Meter Entfernung. Der Weg entlang des Waldrandes in Richtung Ausfahrtsstraße wird von Straßenlaternen relativ sinnvoll ausgeleuchtet, vorausgesetzt, dass die Gemeinde nicht wieder sparen muss, oder, was leider ebenfalls nicht selten vorkommt, die Laternen von halbstarken Gehirnprinzen, den angeblichen Leistungsträgern von morgen, ausgetreten, oder gar beschädigt wurden. Wie dem auch sei, wir befanden uns also gerade auf dem Fußweg zum Wald, etwa 20 Meter vor der T-Kreuzung. Schlagartig signalisierte Harry erhöhte Aufmerksamkeit. Seine gespannte Körperhaltung sowie sein dynamisches Voranschreiten sprachen Bände - wir waren also nicht alleine unterwegs! Und dabei handelte es sich keinesfalls um jemanden, welchen wir kennen!

Am Eck angekommen erkannte ich in ca. 50 Meter Entfernung, aus Richtung Ausfahrtsstraße kommend, einen Schatten, welcher sich uns näherte und dabei zwischen rechtem Wegesrand und linkem Wegesrand regelrecht Hin und Her „pendelte“. Mr. Harry fixiert diesen Schatten, während wir ihm entgegen gingen, und entspannt sich schlagartig. Ja, unser „Pendel“ auf zwei Beinen war unverkennbar „voll“ bis Oberkante Unterkiefer, und Harrybo tat mal so, als würde er gelangweilt schnuffeln. Zu meinem Erstaunen ein höfliches „Gnahbnnnd!“ und der Nachtschwärmer stolpert weiter seines Weges. Harrybo ließ ihn unbehelligt passieren - eine völlig entspannte Passage.

Mr. Harry bei Nacht
Mr. Harry - Das Wild ist auf!

Und was dieses ganz besondere Knurren des Bardinos angeht, in welchem, und hier spreche ich aus eigener Erfahrung, eine regelrechte Grabeskälte zu liegen scheint, und welches dem Kontrahenten unmissverständlich „Das Ende der Fahnenstange“ ankündigt, nun, so habe ich hier ebenfalls eine Hausnummer, welche zu Mr. Harry wie „Faust auf Auge“ passt.

Auf einer Nachtrunde verliessen wir gerade die Anlage, als Harry prompt bei bedrohlichem Knurren in Anspannung verfiel. Nun wurde ich wie ein Pflug zum Waldrand gezogen, wobei Harry auch schon den ein- u. anderen Beller losgelassen hatte. Des Rätsels Lösung zu Harrys Verhalten erschloss sich mir am Waldrand - wenige Meter hinter der Biegung stand gerade ein betrunkener Halbstarker im Begriff, den Holzzaun unseres Nachbarn zu demolieren. Den sinnigen Dialog zwischen diesem Kerlchen und mir möchte ich Euch ersparen. Gerade als ich meinen tobenden Harry an einem Wegpfosten anbinden wollte, um mit diesem harten Kerlchen, welches über das ruhige gesprochene Wort offensichtlich nicht erreichbar gewesen war, ein „klärendes Gespräch“ zu führen, da gab Harry dieses kalte und unüberhörbare Knurren von sich. Jetzt wurde nicht mehr gebellt, sondern der „Gegner“ fixiert. Harrys gesamte 40 Kilogramm glichen einer gespannten Bogensehne, und ich bin mir sicher, dass genau in diesem Augenblick dem Randalierer die „Erleuchtung“ gekommen war. Es folgte nun ein weiterer geistreicher Dialog, doch letztendlich zog das Kerlchen weiter, und der Zaun war gerettet. Um mögliche weitere Randale abzuwehren, folgten wir dem Kerlchen noch einige Meter, aber als mein Bodyguard wieder entspannte, konnten wir endlich das erledigen, wozu wir ursprünglich aufgebrochen waren.

Pfote eines Hundes

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Kapitel: Bardino-Husky Harry


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