Harry - Bürde der Vergangenheit
Stunde der Wahrheit
Ohne Zweifel hatten wir uns von der Umstellung seiner Ernährung auf BARF den ein oder anderen gesundheitlichen Fortschritt erhofft. Doch was wir damit tatsächlich in Gang gesetzt hatten, hätte keiner von uns je für möglich gehalten. Bereits nach zwei Tagen hatte sich sein Stuhlbild in jeglicher Hinsicht signifikant verbessert. Nicht sonderlich verwunderlich, denn schließlich bekam sein Verdauungssystem endlich das zu verarbeiten, wofür es von Haus aus ausgelegt ist. Schon bald war mir beim Raufen aufgefallen, dass Harry nicht mehr aus dem Maul stank. Mehr noch, der ganze Hund roch nicht mehr unangenehm. Und Harry wurde zusehends kräftiger. Man konnte regelrecht zusehen, wie er von Tag zu Tag mehr aufblühte. Auch sein Fell wurde zunehmend dichter und bekam mit den Wochen diesen ganz besonderen Glanz. Selbst seine eh schon sehr intensiven Augen schienen an Intensität zugenommen zu haben. Wenige Monate nach dem Umstieg auf BARF war Harry nicht mehr wiederzuerkennen. Es lag in der Natur der Sache, dass sich all diese positiven Veränderungen auch auf seine mentale Gesundheit positiv ausgewirkt hatten. Hier in seiner „Neuen Welt“, hatte er endlich den lang ersehnten Anschluss gefunden, Lebensqualität und Lebensfreude zurückerhalten. Und er war sich seiner Fähigkeiten und Fertigkeiten durchaus bewusst. In der Tat stand nun nach wenigen Monaten der wahre Harry vor uns. Ein stattlicher Bardino-Mischling, in welchem sich das Beste aus dem Hütehund der Kanaren und des Nomaden der Taiga, dem Siberian-Husky vereinigt hatte.

Als wir ein halbes Jahr später erneut die Tierarztpraxis, in welcher Harry September 2005 operiert worden war, zu einer Kontrolluntersuchung aufgesucht hatten, wurde Harry nicht ansatzweise wiedererkannt. Es herrschte tatsächlich die irrige Annahme, dass wir mit einem anderen Hund erschienen seien. Es war in der Tat ein schmaler Grat gewesen, doch am Ende hatte Harry die Untersuchung nebst Blutentnahme ruhig über sich ergehen lassen. Dabei war für alle Beteiligten offensichtlich geworden, wie sehr er uns mittlerweile vertraute. Dass man uns zwingend nahegelegt hatte, ungeachtet aller positiven Veränderungen, Harrys Ernährung umgehend wieder auf das zuvor empfohlene Krümelfutter umzustellen, versteht sich von selbst. Man wollte uns tatsächlich die Mähr über die Ernährungsdefizite verkaufen, welche zwangsläufig mit der Rohfütterung Hand in Hand gehen würden. Welch ein „Stuss2“! Wie dem auch sei, die Laborwerte sprachen offenkundig eine vollkommen andere Sprache – im Gegensatz zu den vorangegangenen Untersuchungen bestätigten nun Harrys aktuelle Blut- und Organwerte
einen kerngesunden Hund!

Dank des intensiven Miteinanders und der Bedienung all seiner individuellen artgerechten Bedürfnisse war es uns, aller negativen Prognosen zum Trotz, bereits nach einem halben Jahr gelungen, Harry wieder vollständig auf die Beine zu stellen. Ein Meilenstein, in der Tat. Ihm allerdings das Laufen in seiner neuen Welt zu lehren, sprich, seiner negativen Prägung und den daraus verinnerlichten Verhaltensmustern aus seiner Vergangenheit entgegenzuwirken, sollte weitaus länger dauern.